Kredit für die Selbstständigkeit: Geben und Nehmen: So gewinnen Sie die Bank für sich!
Veröffentlicht von Dagmar Hayen am Mai 8, 2018

Mal eine persönliche Frage: Kennen Sie den Namen Ihrer Bankberaterin oder Ihres Bankberaters? Und wann waren Sie das letzte Mal persönlich bei Ihrer Bank? Wenn Sie auch nur eine dieser beiden Fragen nicht genau beantworten können, wird es höchste Zeit, das Verhältnis wieder aufzufrischen. Denn schließlich wissen Sie nie, wann Sie plötzlich auf die Unterstützung und das Wohlwollen Ihrer Bank angewiesen sind, weil Sie beispielsweise einen Kredit für die Selbstständigkeit brauchen.

Banken unterliegen Vorschriften

Für Selbstständige und Freiberufler ist es in der Regel nicht ganz einfach, von der Bank ein Darlehen zu bekommen. Aber wieso eigentlich? Viele Bankkunden verstehen die Folgen der Finanzkrise nicht: Banken müssen sich mittlerweile bei der Kreditvergabe an strenge Regeln halten. Diese Vorschriften (genannt „Basel I, II und III“) wurden seit 1974 vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht schrittweise erlassen, um möglichen Risiken vorzubeugen. Unter anderem ist festgelegt, wie viel Eigenkapital ein Kreditnehmer vorweisen muss, damit ihm überhaupt ein Kredit zu bestimmten Konditionen gewährt werden kann. Deshalb werden heute alle Bankkunden vollautomatisch von Ratingsystemen bewertet. Dazu ist jede Bank verpflichtet und muss für den Fall, dass Kredite nicht zurückgezahlt werden, genug Eigenkapital bereithalten. Dadurch spielt das persönliche Verhältnis zum Kundenbetreuer aktuell nicht mehr so eine wichtige Rolle, wie es im Bankgeschäft der letzten Jahrhunderte durchaus noch der Fall war.

Ihr Ratingwert entscheidet – nicht Ihr Bankberater

Auch organisatorisch sind die Bereiche „Kundenberatung“ und „Risikocontrolling“ heute getrennt und verhalten sich auch entsprechend – Ihr Betreuer ist nicht mehr gleichzeitig auch der Entscheider über eine mögliche Finanzierung! Bei schlechtem Rating eines Kunden (z.B. durch dauerhafte Nutzung oder Überziehung des Kontokorrents, Rückbuchungen, Nicht-Zahlung von Raten, schlechte Schufa-Bewertung) leuchtet bei der Bank sprichwörtlich „eine rote Lampe auf“ und die Mitarbeiter sind angewiesen, streng zu reagieren. Die individuellen Rahmenbedingungen Ihrer Selbständigkeit und die möglichen Ursachen für das schlechte Rating sind dann für die Bankberater schlichtweg nicht relevant. Das kann beispielsweise dazu führen, dass Ihnen ein größerer Dispo-Rahmen, eine Finanzierung oder ein Ratenkredit nicht genehmigt wird, obwohl Ihre unternehmerische Perspektive durchaus positiv aussieht und Ihr Ansprechpartner persönlich vielleicht ganz anders entschieden hätte.

Wie verbessere ich die Beziehung zu meiner Bank?

Ein gutes Verhältnis zu Ihrer Bank zu pflegen, ist trotzdem für Sie als Selbständiger äußerst wichtig, denn für ein positives Rating muss Ihre Bank Sie als Unternehmer so gut wie möglich einschätzen können. Eine solide Vertrauensbasis mit Ihrer Hausbank zu schaffen, ist grundsätzlich nicht allzu schwer: Versorgen Sie Ihr Bankinstitut regelmäßig mit Ihren aktuellen Steuer- und Finanzunterlagen und geben Sie auch Auskünfte über laufende Kredite oder eventuelle Besitztümer, die möglicherweise finanzielle Sicherheiten darstellen. Banken möchten Ihre Buchhaltungsinformationen einsehen, um besser einzuschätzen, ob sich etwas bei Ihnen und in der Entwicklung Ihrer Selbständigkeit verändert hat. Das ist nicht ehrenrührig, sondern lediglich professionell. Falls Sie zukünftig mit einem neuen Kreditanliegen an die Bank herantreten, ist die Erfolgswahrscheinlichkeit sehr viel höher und der Prozess geht auch deutlich schneller vonstatten. Bei einem akuten Liquiditätsengpass kann für Sie schließlich jeder Tag zählen!

Diese Unterlagen möchte Ihre Bank von Ihnen regelmäßig sehen:

  • Aktueller steuerlicher Jahresabschluss (Tipp: Bitten Sie Ihren Steuerberater, gleich eine Kopie an die Bank zu schicken.)
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) über alle Kosten und Erlöse
  • Aktuelle Vermögensaufstellung (Oft gibt es fertige Vorlagen seitens der Bank.)
  • Letzter Einkommenssteuerbescheid

Beweisen Sie Unternehmerqualitäten

Langfristig bauen Sie durch regelmäßige Kontaktpflege und stetige Information ein gutes Verhältnis zu Ihrer Bank auf und beweisen sich als umsichtiger Unternehmer, der seinen Controllingpflichten nachkommt und Geldangelegenheiten vorausschauend plant und organisiert. Selbstständige, die sich derart professionell verhalten, können leichter mit einem Entgegenkommen der Bank rechnen – auch in Krisensituationen. Das würden Sie in der Rolle Ihrer Bank garantiert nicht anders sehen.

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Ein Beispiel: Sie haben sich vor Jahren für den Ausbau Ihrer Selbständigkeit von der Bank Geld geliehen. Diese Kreditzusage wurde auf Basis von Unterlagen entschieden, die Sie damals dafür eingereicht hatten. Und nun versetzen Sie sich einmal in die Rolle des Kreditgebers: Wüssten Sie nicht gern, wie es aktuell mit der Bonität des Kreditnehmers bestellt ist und ob er die Kreditraten plus Zinsen bis zum Ende der Laufzeit bezahlen kann?

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Wie erreiche ich ein Entgegenkommen meiner Bank in schwierigen Situationen?

Wer etwas von der Bank möchte (z.B. den Kredit- oder Dispo-Rahmen vergrößern oder Ratenzahlungen aussetzen), sollte sich gut vorbereiten. Das gilt für das Verfassen von Briefen genauso wie für das persönliche Gespräch – wobei ein persönlicher Kontakt immer die bessere Variante ist, wenn Sie etwas erreichen wollen. Bauen Sie Ihren Gesprächsleitfaden (oder Brief) folgendermaßen auf:

  1. Sensibilisieren Sie die Bank für Ihre Lage, indem Sie eine Vergangenheitsbeschreibung machen und die Ursachen für die aktuelle Situation erklären. Seien Sie dabei durchaus auch selbstkritisch und stellen Sie sich nicht als hilfloses Opfer äußerer Umstände dar. Das würde Ihre Verhandlungsposition eher verschlechtern.
  2. Zeigen Sie Handlungsbereitschaft. Stellen Sie Ihre bereits ergriffenen Maßnahmen vor, (z.B. verstärkte Kundenakquise, schriftliche Angebote, Auftragsbestätigungen) und erläutern Sie, was Sie noch tun werden, um die Situation zu verbessern.
  3. Schildern Sie dann Ihr konkretes Anliegen (z.B. Beantragen eines erweiterten Dispo-Kredites, damit Sie für zwei Monate liquide bleiben) und zeigen Sie auf, welchen Beitrag dies zur Problemlösung leisten würde.

Nehmen Sie zum Gespräch Ihren Leitfaden mit und machen Sie sich Notizen. Versuchen Sie nach Möglichkeit, mündliche Zugeständnisse der Bank schriftlich zu fixieren, denn es kann vorkommen, dass Ihr Kundenbetreuer das Unternehmen verlässt. Dann weiß niemand mehr, was besprochen wurde und auf was Sie sich geeinigt hatten.

Wenn Sie aus Hamburg kommen, unterstützen wir von der FIRMENHILFE Sie gerne bei der Vorbereitung eines Bankgesprächs oder bei der Formulierung eines Briefes.

Die Bank möchte eine Finanzplanung sehen. Wie mache ich das?

Selbst wenn die Bank Bereitschaft zur Unterstützung signalisiert, wird sie zur Einschätzung ihres Risikos aktuelle Zahlen (BWA, Jahresabschluss) von Ihnen sehen wollen. Darüber hinaus verlangt sie in der Regel eine Planung für die nähere Zukunft, mindestens für das laufende und das Folgejahr. Diese Planung können Sie mit unserer Tabelle „Monatsbudget und Liquidität“ oder dem Online-Werkzeug „Liquiditätsplanung“ entwickeln, indem Sie sich in der Online-Werkstatt der FIRMENHILFE registrieren.

Kunden aus Hamburg können beim Ausfüllen telefonische Unterstützung durch die FIRMENHILFE erhalten und / oder uns die ausgefüllte Tabelle zur Besprechung zuschicken.

Und zum Schluss: Diese Fehler sollten Sie im Umgang mit Banken vermeiden:

  • Sie bleiben defensiv und reden nicht von sich aus mit Ihrer Bank über bevorstehende Schwierigkeiten oder Veränderungen. Probleme für sich zu behalten, ist nicht der richtige Weg.
  • Die Kontokorrentlinie wird privat genutzt oder muss dauerhaft geschäftliche Liquiditätsengpässe überbrücken. Wer permanent am Limit fährt, macht etwas falsch – das sieht und weiß auch die Bank.
  • Unterlagen wie BWAs, Einkommenssteuerbescheide und ähnliche Belege werden nicht regelmäßig eingereicht. Die Bank möchte aber kontinuierlich wissen, wie es um Ihr Unternehmen steht.
  • Der Kreditrahmen wird überzogen. Hier reagiert die Bank sehr sensibel. Sie als Unternehmer haben in diesem Fall vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten. Daher sollten Sie unbedingt – und möglichst bereits im Vorfeld – das Gespräch mit der Bank suchen. Im besten Fall duldet die Bank eine Überziehung, sie kann und darf aber auch kündigen.
  • Sie verschweigen negative Schufa-Einträge. Ihre Bank überprüft natürlich Ihr Schufa-Konto, deshalb sollten Sie unbedingt mit offenen Karten spielen.

Wenn Sie als kleiner Unternehmer oder Freiberufler aus Hamburg Rat und Hilfe brauchen, wenden Sie sich gern an die FIRMENHILFE. Wir beraten Sie montags bis freitags zwischen 9 und 13 Uhr kostenlos am Telefon! Rufen Sie uns an und wir besprechen Ihre Möglichkeiten und nächsten Schritte!