Krankenversicherung und die (leidigen) Beiträge – Neuigkeiten!
Veröffentlicht von Heike Oetjen am September 18, 2017

Sehr oft melden sich Selbstständige bei der Firmenhilfe und klagen ihr Leid aufgrund der großen Belastung durch die Krankenversicherung und ihre Beiträge. Wir nahmen die Anrufe zum Anlass eine kleine Umfrage zu den Themen Krankenversicherung und Krankenkassen unter unseren Kunden durchzuführen.

Die Ergebnisse in einer kurzen Zusammenfassung finden Sie nachfolgend:

  • 20 von 22 Selbständigen klagen über Probleme mit den Krankenkassen.
  • 14 von diesen 20 Personen klagen explizit über zu hohe Beiträge.
  • 8 Selbständige befinden sich durch diese Probleme mit der Krankenversicherung am Rande der Aufgabe der Selbstständigkeit bzw. sehen sich in ihrer Existenz stark gefährdet.
    Zusätzlich leiden sie u.a. unter der psychischen Belastung, gesund bleiben zu müssen oder sind gezwungen ihr Geschäft trotz Rente fortführen zu müssen, um überleben zu können.
  • 2 von 22 Selbstständigen wurden wegen der Krankenversicherung zur Aufgabe ihres Unternehmens gezwungen.
  • Es wird in den meisten Fällen ein fiktives, häufig höheres Einkommen als realistisch wäre als Berechnungsgrundlage berechnet, was dann hohe Beiträge für die Selbstständigen bedeutet.
  • Ein Widerspruch dagegen ist meistens zwecklos oder sehr mühselig.
  • Auf Rückzahlungen trotz nachgewiesener falscher Einstufung wird vergebens gewartet.
  • Trotz der hohen Beiträge die die Selbstständigen bezahlen ist die Absicherung nicht ausreichend und es muss aus eigener Tasche für Behandlungen gezahlt werden.

Warum ist das so?

Der Grund dieser Misere liegt in den gesetzlichen Vorgaben, denen die Krankenkassen ebenfalls unterliegen. Beim Angestellten wird das reale Einkommen als Berechnungsrundlage genommen und nicht das vom Gesetzgeber angenommene, welches bei 4.350,00 € bei Selbstständigen liegt.
Es gibt allerdings die Möglichkeit bei der Krankenkasse ein niedrigeres Einkommen anzugeben, natürlich versehen mit den entsprechenden Nachweisen. Dann besteht die Möglichkeit den Beitrag zu senken. Allerdings nur bis auf den sogenannten „Mindestbeitrag“ und der liegt immer noch bei 2.231,25 €. Günstiger wird es nur noch für Menschen, die sich mit dem Gründungszuschuss hauptberuflich selbstständig machen. Da ist der Mindestbeitrag auf 1.487,50 festgelegt. Für nebenberufliche Selbstständige (unter 20 Wochenstunden) ergibt sich ein Mindestbeitrag von 991,67 €.
Diese Möglichkeiten bestehen also und sollten von Ihnen vorab geprüft werden, um die monatliche Belastung durch die Krankenkassenbeiträge niedrig zu halten.

Diese Möglichkeit haben Sie aber nur zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit, da in diesem Fall ja auch noch kein Steuerbescheid vorliegt. Danach ist immer Ihr Einkommenssteuerbescheid maßgeblich. Sollte also Ihr Einkommen lt. Steuerbescheid niedriger ausfallen als von der Krankenkasse eingeschätzt sollten Sie den Steuerbescheid schnell zu Ihrer Krankenkasse schicken, da erst nach dem Eingang bei der Krankenkasse Ihr Beitrag neu berechnet wird.

Sollten Sie im laufenden Geschäftsjahr unerwartet einen Gewinneinbruch erleiden, so sollten Sie sich schnell beim Finanzamt melden und eine Anpassung Ihrer Einkommenssteuer beantragen. Mit diesem Anpassungsschreiben des Finanzamtes können Sie sich ebenfalls an Ihre Krankenkasse wenden. Wichtig ist immer, dass die Krankenkasse frühzeitig von Ihrer Situation erfährt, da eine rückwirkende Anpassung schwer möglich ist.

Für den Notfall

Für selbstständige freiwillig Versicherte gibt es noch die Möglichkeit in den Notlagentarif der Krankenkassen: Für den Fall, dass zu viele Außenstände aufgelaufen sind kann man sich für 100 – 125 € monatlich zumindest für Schmerzbehandlung, akute Fälle sowie stationäre oder teilstationäre Behandlung versichern. Kinder erhalten damit Heilbehandlungen, die aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit entstanden sind sowie Vorsorgeuntersuchungen, Früherkennung und Impfungen. Schwanger können damit zu Vorsorgeuntersuchungen und auch Entbindung versichern. Sobald es die Einnahmen zulassen, sollte man jedoch wieder in den regulären Tarif einsteigen, um ausreichende Versorgung zu gewährleisten.

Hoffnung in Sicht

Die Politik hat nun aber reagiert: Ab Januar 2018 sollen die an die Krankenversicherung zu zahlenden Beiträge vom tatsächlichen Einkommen abhängig gemacht werden. Der Bundestag hat im Heil- und Hilfsmittelersorgungsgesetz vom 4. April 2017 vorgesehen, dass sich der Beitrag am letzten Einkommensteuerbescheid orientiert. Dort heißt es, dass „ein Mitglied, dessen Beiträge nach §240 (4a) Satz 6 festgesetzt wurden, innerhalb von drei Jahren nach Ablauf des Kalenderjahrs, für das die Beiträge zu zahlen waren, beitragspflichtige Einnahmen, die für den Kalendertag unterhalb des dreißigsten Teils der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze liegen, dem Mitglied der Anteil der gezahlten Beiträge erstattet wird, der die Beiträge übersteigt, die das Mitglied auf Grundlage der tatsächlich erzielten beitragspflichtigen Einnahmen nach § 240 hätte zahlen müssen.“ (Quelle Vorabfassung HHVG S.785 16a.)

So werden die Beiträge für das jeweilige Kalenderjahr rückwirkend festgesetzt und bei Differenz der gezahlten Beiträge und der tatsächlich zu zahlenden Beiträge kann es zur Erstattungen oder Nacherhebungen von Beiträgen kommen. Im Folgenden wird der zukünftige Beitrag auf Grundlage des jetzt vorliegenden Steuerbescheides festgelegt. Das Prinzip ist wie das einer Abschlagszahlung, die dann je nach Einkommen im Nachhinein nach oben oder unten korrigiert wird. Das bedeutet, dass nachweislich (anhand des Steuerbescheides) zu viel gezahlte Beiträge zurückgezahlt werden. Gleichermaßen müssen für mehr Einnahmen als angenommen Nachzahlungen an die Krankenversicherung erfolgen.

Weitere Infos auch hier:

https://www.pfefferminzia.de/selbststaendige-freiwillige-gkv-mitglieder-zahlen-ab-2018-im-voraus/

http://www.daserste.de/information/wirtschaft-boerse/plusminus/sendung/altersvorsorge-armut-selbststaendigkeit-100.html

Gerne können Sie uns zu diesem Thema auch jederzeit telefonisch in der FIRMENHILFE erreichen.