6 Fragen zur Krankenversicherung für Soloselbstständige
Veröffentlicht von Heike Oetjen am Dezember 5, 2016

Was soll sie können, ohne finanziell zu überfordern? – 6 Fragen zur richtigen Krankenversicherung für Soloselbstständige

Krank sein kostet sehr viel Geld, gerade in Ländern mit hohen medizinischen Standards wie Deutschland. Entsprechend schnell kostet die Krankenversicherung Soloselbstständige das halbe Einkommen. Für viele Freiberufler oder Soloselbstständige ist das nicht nur im Alltag ein Problem – für sie wird es so noch schwerer, z.B. für das Alter vorzusorgen. Kein Wunder, dass das Thema unbeliebt ist.

Um es vorweg zu nehmen: Krankheitskostenschutz lässt sich nicht „billig“ einkaufen. Man kann aber viele teure Fehler machen – oder vermeiden. Wir haben Ihnen hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Krankenversicherung zusammengetragen. Das kann Ihnen sowohl zur Vorbeugung als auch in einer konkreten finanziellen Krise helfen.

1. Worin unterscheiden sich die gesetzliche und die private Krankenversicherung grundsätzlich?

Als Selbstständige/r haben Sie die Wahl, ob Sie sich freiwillig in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern oder privat bei einer Versicherungsgesellschaft. Beide Systeme unterscheiden sich stark im Leistungsspektrum und in der Beitragsberechnung.

Zum Leistungsspektrum: Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) leistet eine sehr breite Palette, die fast komplett gesetzlich vorgegeben ist. Eine private Krankenversicherung (PKV) hingegen darf mit Ihnen relativ frei vereinbaren, was versichert sein soll. Das große Leistungsspektrum der GKV wird von keinem PKV-Tarif komplett abgedeckt. Eher geht die Leistung der PKV in die Tiefe: Wo sie leistet, ist das mehr oder besser. Aus diesem Grunde hat die PKV ein gutes Image – über die pauschalen Leistungsausschlüsse vieler PKV-Anbieter (z.B. Psychotherapie) spricht in der Werbung niemand.

Zur Beitragsberechnung: Der Beitrag der GKV richtet sich allein nach dem Einkommen. Bei der PKV zahlen Sie gemäß Gesundheitszustand, Alter und vereinbartem Leistungsumfang (s.o.). Mehr dazu weiter unten.

Ein dritter Unterschied betrifft Ihre Liquiditätsplanung: Als PKV-Versicherter müssen Sie regelmäßig in Vorleistung gehen und alle Arztrechnungen begleichen, bevor Sie die Summen von der Versicherung erstattet bekommen. Mit den Krankenkassen dagegen rechnen Ärzte und Krankenhäuser direkt ab.

2. Darf ich mich als Soloselbstständige/r überhaupt privat versichern?

Ja, das dürfen Sie. Es gilt folgendes Prinzip: Wenn Sie beim Start Ihrer Selbstständigkeit GKV-versichert sind, dürfen Sie das bleiben – als freiwilliges Mitglied. Waren Sie jedoch privat versichert, müssen Sie privat bleiben. Damit sich junge Menschen nicht preisgünstig privat versichern und später in die (dann günstigere) GKV zurückwechseln können, hat der Gesetzgeber die Rückkehr in das staatliche System fast ausgeschlossen. Von steinigen Auswegen wie gezielter Arbeitslosigkeit abgesehen, bleibt die Entscheidung für oder gegen die GKV eine Entscheidung fürs ganze Leben und sollte nur mit neutraler qualifizierter Unterstützung getroffen werden.

Lassen Sie sich also nicht durch günstig wirkende Beiträge von der PKV in die Irre leiten. Die Beiträge steigen mit Ihrem Alter, und zwar teilweise drastisch.

3. Wie unterscheiden sich die Beiträge?

In der PKV werden die Beiträge nach gewähltem Tarif, Eintrittsalter und Gesundheitszustand berechnet. Anders ausgedrückt: Die PKV-Anbieter prüfen sehr genau, wen sie versichern. Haben Sie eine Krankenvorgeschichte oder sind Sie schon älter, drohen deutliche Beitragsaufschläge oder Leistungsausschlüsse (z.B. keine Leistung für den vorgeschädigten Rücken). Im Extremfall lehnt der Versicherer den Antrag auch komplett ab. Die PKV ist also nur dann preisgünstig, wenn Sie jung und gesund sind – und sofern Sie noch keine Familie haben. Anders als in der GKV gibt es nämlich keine kostenlose Mitversicherung z.B. der Kinder.

Egal ob Sie als Selbstständige/r viel oder wenig verdienen, Ihre PKV-Beiträge bleiben gleich. Das ist in der GKV anders. Hier können Ihre Beiträge – bei unveränderter Leistung – schwanken, denn sie richtigen sich nur nach Ihrem Einkommen (siehe weiter unten). Das bedeutet natürlich einen großen Vorteil, gerade für Soloselbstständige mit niedrigen oder stark schwankenden Einkünften. Wenn Sie Ihrer Krankenkasse mitteilen, dass Sie in nächster Zeit wenig Gewinn machen werden, senkt sie den Beitrag ab – und fordert Beiträge nach, wenn Sie mehr erwirtschaftet haben als angegeben. Umgekehrt gilt das leider nicht: Haben Sie Ihr Einkommensziel verfehlt, gibt’s kein Geld von der GKVB zurück. Daher bleibt nur der Ausweg, Einkommensschwankungen sehr zeitnah der Krankenkasse zu melden.

Und noch eines: Unter den Mindestbeitrag werden Sie in der GKV kaum gelangen. Bis zu einem Monatseinkommen von knapp 2.200 EUR (die aktuellen Jahreswerte finden sich auf der Website jeder Krankenkasse) fällt automatisch der Mindestbeitrag an. Im Jahr 2016 waren dies knapp 400 EUR monatlich für einen kinderlosen Gründer, der bei einer Krankenkasse versichert ist, die das gesetzliche Minimum plus 1 Prozent Zusatzbeitrag erhebt, und der für den krankheitsbedingten Einkommensausfall Krankengeld ab dem 43. Tag mitversichert. Hierin ist die Pflegeversicherung automatisch enthalten, denn auch sie ist in Deutschland Pflicht.

4. Welchen Einfluss hat die Familiensituation auf die Versicherungsbeiträge?

In der PKV muss für jedes Familienmitglied ein eigener Beitrag geleistet werden. Bei einer vierköpfigen Familie kann das schnell eine vierstellige Summe pro Monat bedeuten.

In der GKV gibt es die „Familienmitversicherung“: Ehepartner und Kinder sind beitragsfrei dabei, solange sie kein eigenes Einkommen haben.

5. Wie berechnet die GKV das Einkommen?

Grundlage für die Beitragsberechnung der GKV ist nicht etwa der Umsatz, sondern der zu versteuernde Gewinn. Aber auch Mieteinnahmen oder Kapitalerträge werden zur Beitragsbemessung hinzugezogen. Grundlage ist immer der Steuerbescheid, den man vom Finanzamt erhält und möglichst umgehend bei der GKV einreicht. Unterjährige Schwankungen sollten Sie zeitnah kommunizieren, um eine Überzahlung von Beiträgen zu vermeiden – denn Geld gibt es in keinem Fall zurück (siehe oben).

6. Und worin liegen konkret die Vor- und Nachteile für Soloselbstständige?

Im Fokus der meisten Soloselbständigen wird angesichts schmaler finanzieller Mittel die Kostenfrage  sein. Hier gibt es eine klare Antwort: Da sie sich am Einkommen orientieren, blieben GKV-Beiträge immer einigermaßen bezahlbar.

Die PKV bietet zwar scheinbare „Billigtarife“ an. Das ist verlockend, aber bei der Tarifwahl haben Sie realistisch betrachtet nur einen Versuch: Wer mit einem Billig-Tarif startet und hofft, dies später aufstocken zu können, riskiert, dass bei der dann erneut fälligen Gesundheitsprüfung die Krankenakte nicht mehr harmlos ist. Das höhere Lebensalter schlägt noch zusätzlich zu Buche – wie überhaupt die mit dem Alter steigenden Beiträge das Hauptrisiko bei der PKV darstellen: Trotz aller vorgeschriebenen Altersrückstellungen der Versicherer können sich viele PKV-Versicherte im Alter die PKV nicht mehr leisten. Ihnen bleibt dann nur der Ausweg, in den „Basistarif“ zu wechseln, den alle PKV-Anbieter seit einigen Jahren anbieten müssen. Er sichert zumindest Leistungen auf GKV-Niveau.

Was bleibt als Empfehlung? Zunächst einmal dieses: Bei allen Versicherungsthemen sind die Leistungen viel wichtiger als jeder Beitragsvergleich. Bei den Leistungen machen typische Soloselbständige mit der GKV zumindest nichts falsch. Die GKV hat den breitesten Leistungsumfang. Sie leistet nicht immer auf höchstem Niveau, dafür aber lückenlos und stets auf dem Niveau, das als medizinisch notwendig gilt. Doch es gibt auch einen zentralen Haken: Ob selbstständig oder nicht – für alle Versicherten liegt das Hauptrisiko der gesetzlichen Absicherung darin, dass über die GKV politisch entschieden wird. Je nachdem, welche Strömung hier die Oberhand hat, werden die Beiträge angehoben oder gesenkt und die Leistungen verbessert oder beschnitten. Eine Rundum-Sorglos-Lösung gibt es also (auch) bei diesem Thema nicht. Krankheitskostenschutz ist schlicht eine  teure Angelegenheit – egal in welchem System.

 

Wenn Sie zu diesem Thema weitere Beratung wünschen, dann kontaktieren Sie gerne das Team der FIRMENHILFE.