Geschäftsmodell verändern

Ich habe eine neue Geschäftsidee. Wie gehe ich damit am besten vor?

Dass Sie Ideen entwickelt haben, ist etwas sehr Positives. Hier ein paar Empfehlungen und Erfahrungen aus unserer Beratung:

  1. Fangen Sie klein an im Sinne von Lean-Start-up. „Lean“ bedeutet „schlank“ und das weist auch gleich darauf hin, welches Prinzip damit verfolgt wird: Der Ansatz beschreibt die Gründung oder Erweiterung einer Selbständigkeit, bei der möglichst wenig Kapital eingesetzt wird – was das Risiko reduziert. Alles verläuft in kleinen, schnellen Schritten und es geht weniger um den großen Wurf. Lean Startup bedeutet ständiges Lernen und Neuentscheiden durch das frühzeitige  An-den-Markt-bringen  des Produkt/der Dienstleistung bzw. von ersten teilen davon. Lange Vorab-Planungen bergen immer die Gefahr, sich zu verzetteln und an Markt und Bedarf vorbei zu entwickeln.
  2. Prüfen Sie als erstes, ob die neue Idee tatsächlich Abnehmer auf dem Markt findet und den Kundenwünschen entspricht. Wie Sie das in Erfahrung bringen, lesen Sie in den  nächsten Fragen hier. Überprüfen Sie, ob die Idee wirklich neu ist, oder ob Sie ein bestehendes Angebot kopieren. Im zweiten Fall sollten Sie zumindest besser als das Original sein.
  3. Versuchen Sie nicht, von Beginn an alles perfekt zu machen.
  4. Skizzieren Sie die notwendigen Schritte bis zur Umsetzung. Machen Sie einen Plan, damit Sie Ihr Vorhaben nicht aus dem Blick verlieren und Ihr Ziel erreichen. Beim Thema „Mein Management – Tag strukturieren“ in diesem Ratgeber finden Sie Tipps dazu.
  5. Klingt banal, ist es aber nicht: Haben Sie immer die finanzielle Seite im Blick. Was kostet das Vorhaben? Wie lange dauert es, bis ich das wieder reingeholt habe?

Holen Sie sich ggf. Partner/Kooperationen ins Boot.

Das Wichtigste und Schwierigste dabei: Seien Sie ehrlich zu sich selbst! Viele machen den Fehler und halten an einer Idee zu lange fest, obwohl sie eigentlich nicht funktioniert.

Welche Fragen muss ich mir zu meiner Idee stellen?

Es gibt 6 Schlüsselfragen, mit der Sie Ihre Geschäftsidee unter die Lupe nehmen können:

  1. Wer ist Kunde für meine Idee?
  2. Welches Problem wird beim Kunden durch das Produkt/die Dienstleistung die ich anbiete, gelöst?
  3. Welchen Wert hat die Lösung für den Kunden und wie kann der Wert gemessen werden?
  4. Wie groß ist das Marktpotential für meine Idee?
  5. Wieso ist meine Lösung besser als die, die andere anbieten?
  6. Wie lässt sich mit der Lösung Geld verdienen?

Gerne geben wir Ihnen ein Feedback dazu.

Wie kann ich ohne viel Aufwand herausfinden, ob meine Idee ankommt?

Verkaufen hat viel mit Kommunikation und Offenheit zu tun, daher gilt auch hier: Holen Sie sich gezielt Feedback ein. Dazu haben Sie folgende, einfache Möglichkeiten:

  1. Bitten Sie  im Rahmen Ihrer eigenen kleinen „Marktstudie“ ausgewählte Personen um eine Einschätzung zum geplanten Angebot. Das geht persönlich wie telefonisch. Suchen Sie sich hierfür z.B. Personen aus Ihrem Kundenkreis, von Partnern, Freunden/Bekannten oder Personen mit Branchenkenntnis. Dies ist auch gleichzeitig eine Nagelprobe: Verstehen die Befragten überhaupt, was Sie anbieten? Sehen sie  einen Nutzen darin und würden das kaufen? Nutzen Sie die Erkenntnisse zur Weiterenteicklung Ihres Geschäftsmodells/Ihrer Idee. Reagieren Sie nicht empfindlich auf Kritik, sondern greifen Sie diese dankbar auf. Sie ist sehr wertvoll.
  2. Neben der Ansprache durch persönlichen Kontakt können Sie auch eine kleine Online-Umfrage erstellen und druchführen. Hier gibt es verschiedene Softwaretools, die Sie kostenlos nutzen können, z.B. surveymonkey oder Google Docs. Sie können mit diesen Programmen ganz einfach eine kleine Online-Umfrage  erstellen und den Link zur Teilnahme an ausgewählte E-Mail-Adressen verschicken.  Achten Sie darauf, konkrete und leicht verständliche Fragen zu stellen und nehmen Sie nicht zu viele – die Befragten investieren ihre Zeit und schrecken schnell, wenn der Fragebogen zu umfangreich erscheint. Beachten Sie zudem, eine begleitende E-Mail zu formulieren, in der Sie beschreiben, was das für eine Umfrage ist. Bitten Sie um Teilnahme und setzen Sie ein Datum, bis wann das passiert sein soll. Weisen Sie auf die Anonymität der Befragung hin.

Welchen Vorteil habe ich, wenn ich mir Branchendaten und Martinformationen verschaffe?

Branchendaten und Marktinformationen lassen das Herz jedes Unternehmensberaters höher schlagen – und dies nicht zu Unrecht: Oft lässt sich daraus ablesen, wo finanzielle Fallstricke lauern oder in welchen Bereichen (Personalkosten je Euro Umsatz, Raumkosten, Umsatzentwicklung u.ä.) Sie besser/schlechter wirtschaften als Ihre Wettbewerber. Zudem können Sie in Erfahrung bringen, ob Ihre Produkt- bzw. Dienstleistungsidee „markttauglich“ ist.

Sie sind auf verlässliches Zahlenmaterial angewiesen, um Stärken, Schwächen und Verbesserungspotenziale Ihres Betriebes zu erkennen. Das gilt für Existenzgründer genauso wie für Geschäftsführer mit jahrelanger Erfahrung. Ein aktueller Vergleich ist auch bei jeder Außendarstellung relevant, sei es gegenüber Banken, Teilhabern oder Prüfern.

Wenn Sie Ihren Betrieb mit anderen vergleichen, hat das für Sie also folgende Vorteile:

  • Sie erkennen frühzeitig Abweichungen in der Kosten- und Erlös-Struktur gegenüber dem Branchenüblichen.
  • Sie sehen Stärken und Schwächen und können notwendige Maßnahmen einleiten.
  • Sie bereiten sich optimal auf das nächste Bankgespräch vor: Sie kennen Ihre Zahlen und die Ihrer Branche, Abweichungen können Sie konkret erklären.
  • Sie bringen in Erfahrung, was die Konkurrenz so treibt und ob Sie am Markt  mit Ihrem Produkt/Ihrer Dienstleistung einen realistischen Platz einnehmen können.

Wie gelange ich ohne viel Aufwand an Branchenkennzahlen und Marktinformationen?

Es gibt verschiedene Wege, an Branchendaten bzw. Marktinformationen zu gelangen:

  1. Der einfachste Weg, sich einen allerersten Überblick über Markt und Wettbewerb zu verschaffen, ist das Internet. Schauen Sie sich die Angebote im Umfeld an. Bietet jemand dasselbe? Welche Preise nehmen andere? Gibt es eine Nische, die Sie für sich nutzen können? Gibt es jemanden, mit dem Sie eine Kooperation eingehen können?
  2. Sprechen Sie Ihren Steuerberater an. Viele Steuerkanzleien nutzen Datenservices z.B. der DATEV. Mit Hilfe der DATEV-Branchenauswertungen erhalten Sie Vergleichszahlen für über 400 Branchen. Etwa eine Million Unternehmensbuchführungen sind dort gespeichert. Filtern lassen sie sich z.B. nach Bundesland, Region, Umsatzgröße, Spezialisierung oder Rechtsform.  Vergleichen Sie Ihre eigenen Zahlen damit.
  3. Kreditinstitute: Die Hamburger Sparkasse z.B. bietet für Hamburger Unternehmen Branchenberichte an, die einmal im Jahr erscheinen (z.B. BranchenReport Bautischler und Bauschlosser, Augenoptiker, verschiedene Einzelhandelssparten). Sie kosten pro Bericht 35 EUR (Stand 2014) und sind hier erhältlich. Die Volks- und Raiffeisenbanken bieten auf einer eigenen Plattform „VR Branchen special„Branchendaten an. Auch diese Berichte beleuchten in übersichtlicher und standardisierter Form die Entwicklung in Agrarwirtschaft, Bau- und Ausbaugewerbe, Industrie, Handwerk, Groß- und Einzelhandel und im sonstigen Dienstleistungsgewerbe. Sie sind speziell auf den Kreis der Firmenkunden der Volksbanken/Raiffeisenbanken zugeschnitten. Andere Banken halten ebenfalls Branchendaten für Sie bereit. Sprechen Sie Ihren Kunden-Betreuer einfach an.
  4. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hält umfangreiche Kennzahlen aus Betriebsvergleichen und Statistiken bereit, wie z.B. zur Umsatzentwicklung  im Handwerk.
  5. Die Handelskammer Hamburg bietet Zahlen, Daten und Fakten zum Handel in Hamburg an. Auch andere IHKs bieten diesen Service.
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